in case any german speaker is interested in picking things up where i left off translating this...its just too much and my lunchbreak is over now X'D
Wie man ein dezentralisiertes Netzwerk (z.B. Fediverse) zerschlägt.
(geschrieben von Ploum am 23.06.2023)
Wir befinden uns im Jahre 2023 n.Chr. das ganze Internet wird von GAFAM kontrolliert... das ganze Internet? Nein! Ein von unbeugsamen Open-Source-Liebhabern aufgebautes dezentrales Netz hört nicht auf, dem Kapital Widerstand zu leisten. Es geht um das sogenannte "Fediverse". Eine lose vereinigung von miteinander verbundenen Server die Nachrichten austauschen, aber nicht weil irgendjemand Geld kassiert, sondern weil Ihre Benutzer und Betreiber das gerne so möchten.
Die Debatten um Twitter und Reddit haben das Fediverse ins Rampenlicht gerückt. Menschen aus aller Welt fangen an es vermehrt zu nutzen. Das Imperium schaut auch auf die Bühne und ist unzufrieden.
Kapitalisten gegen Wettbewerb
Wie Peter Thiel, einer von Facebooks prominenteren Investoren, es ausdrückt: "Wettbewerb ist etwas für Verlierer."
Japp, jemand von der Sorte: "Der Markt wird das schon regeln!" will gar keinen Markt an dem er teilnehmen muss. Solche Leute wollen ein Monopol.
Seit den Anfangstagen Facebooks, wurde penibel darauf geachtet alle Wettbewerber vom Marktplatz zu eliminieren. Der einfachste Weg das zu erreichen ist es schlicht Firmen zu kaufen, die eines Tages eine Gefahr darstellen könnten. Instagramm und WhatsApp zum Beispiel wurden nur gekauft, weil Ihre Angebote Benutzer anlockten und das Potential hatten Facebook auszutrumpfen.
Aber das Fediverse ist nicht käuflich. Das Fediverse ist eine dezentrale Gemeinschaft von Servern die das gleiche Protokoll sprechen (ActivityPub). Auf diesen Servern laufen gar völlig unterschiedliche Softwareplattformen (Mastodon ist am besten bekannt, aber es könnte auch Pleroma, Pixelfeed, Peertube, WriteFreely, Lemmy oder viele andere sein).
Man kann ein verteiltes Netzwerk nicht kaufen.
Aber es gibt einen anderen Weg: es vor den Kopfstoßen und in die Irrelevanz treiben. Das ist genau was Google mit XMPP getan hat.
Wie Google der XMPP Föderation beitrat
Am Ende des 20. Jahrhunderts, waren Instant Messenger der Renner. Einer der ersten wirklich erfolgreichen war ICQ, gefolgt von MSN Messenger. MSN war das TikTok seiner Zeit: eine Welt in der Teenager Stunden ohne nervige Erwachsene verbringen konnten.
Weil MSN teil von Microsoft war, wollte Google auch einen Stück vom Kuchen und bot ab 2005 Google Talk an, und das direkt in der Gmail Weboberfläche. Damals(tm) waren Smartphones noch gar nicht so verbreitet, und wolltest du ein neues Programm benutzen, musstest du es erst herunterladen und installieren. Man könnte es als einen Geniestreich von Google beschreiben, einfach die Anwendung in den Webbrowser zu packen. MSN war in allen Windows Installationen integriert und schwer zu entfernen.
Da man sowieso eine Email Adresse brauchte um sich bei anderen Webseiten registrieren zu können, und somit auch ein Email Programm, war es schon sehr clever von Google diese beiden Anwendungen auf einer Webseite anzubieten. Egal wo man war, man konnte in ein Internet-Cafe oder die Bibliothek (damals gabs sowas noch) gehen, sich in Gmail einloggen und da war auch direkt Gtalk. MSN hatte es da ein wenig schwieriger, oft war nur ein Webbrowser in solchen Situationen verfügbar und der Rest des Betriebssystems hinter Schloss und Riegel.
Während also Google und Microsoft sich um Benutzer zankten, versuchten Free-Software-Techies dezentrales instant messeging zu bauen. So wie Email war XMPP ein Föderiertes Protokoll: Verschiedene Server konnten darüber miteinander kommunizieren; jeder User eines Servers verwendete einen Client seiner Wahl um sich zu Ihrem Server (sei es von der Uni oder von Freunden) zu verbinden. Da sowieso die Server untereinander schnackten, konnten das die User dann eben auch. Genau so funktioniert auch ActivityPub und somit das Fediverse.
In 2006 wurde Google Talk dann kompatibel mit XMPP. Google gefiel XMPP wohl. Eines Tagen in 2008 klingelte mein Telefon. Man sagte mir "Guten Tag, hier ist Google und wir wollen Sie einstellen." Ich machte mehrere Telefonate und es stellte sich heraus: Google benutzte die XMPP Entwickler Liste um nach einstellbaren XMPP Server Admins zu suchen.
Also wollte Google Föderation? Wie cool ist das denn? Es bedeutete, das plötzlich jeder einzelne Gmail Benutzer auch zu einem XMPP Benutzer wurde, und das konnte ja nur gut für XMPP sein, oder? Ich war extatisch vor Freude.
Wie Google XMPP zerschlug
Natürlich war die Realität ein wenig matter als die Hochglanzfassade. Zunächst, obwohl...